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AUSZEIT TEIL 2
Abschied aus Barril de Alva – Aufbruch in den Süden
Nun kommt der Abschied – aber mit Erinnerungen, die uns keiner nehmen kann.
Es geht weiter in den Süden, hinter den höchsten Berg Portugals, die Serra da Estrela, zu einem großen Stausee: dem Stausee Cabril (Barragem do Cabril).
Dort finden wir einen geeigneten Campingplatz – Camping Pedrógão Grande – und einen Kontakt, zu dem wir später noch einmal zurückkehren werden.
Der Campingplatz liegt direkt an der gewaltigen Staumauer des Cabril-Stausees, einem riesigen See, der sich weit in das Hinterland verzweigt wie Adern, die sich durch einen Körper ziehen.
Der Empfang ist sehr freundlich, und die Betreiber erweisen sich in den kommenden Tagen als unglaublich hilfsbereit.
Zunächst dürfen wir uns auf dem weitläufigen Gelände einen Platz frei aussuchen – wieder einmal ganz für uns allein.
Große Waschräume, saubere WCs und Duschen, so viele, dass wir theoretisch jeden Tag eine andere nutzen könnten.
Die Zufahrt zum Campingplatz und auch die Wege ins höher gelegene Dorf sind geprägt von steilen Auf- und Abfahrten – und ich merke, ich bin immer noch nicht geheilt.
Selbst jetzt, während ich das schreibe, spüre ich, wie jede Steigung mich anspannt.
Wir sind zwar mittlerweile in der Algarve, wo alles flacher ist, aber trotzdem achte ich auf jede kleinste Steigung.
Oh Mann, wie verrückt ist das eigentlich? Frei sein – das würde mir wirklich guttun.
Werkstatt, Regen und ein kleines Wunder
Die Besitzer erzählen uns, dass in den kommenden Tagen mehrere Gruppen mit dem Bus kommen.
Ihr Mann führt sie durch den Wald – auf Pilzsuche, denn hier gibt es offenbar unglaublich viele Sorten.
Das Wetter passt: kühl, aber nicht kalt – und Natur pur.
Ich erkundige mich nach einer Werkstatt im Dorf, da wir ohnehin Wäsche waschen müssen.
Wir fragen uns durch und bekommen schnell einen Hinweis.
Also nutzen wir die Gelegenheit und fahren spontan vorbei.
Die Mechaniker sprechen kein Englisch, aber mit dem Übersetzer auf dem Handy klappt es.
Sie nehmen sich direkt Zeit – Grilauto heißt die Werkstatt – und wir warten draußen.
Ich sehe mir einen alten Range Rover aus den 1950er-Jahren an und mache ein paar Fotos.
Es ist kalt, und der Regen setzt ein.
Nach einer Weile kommen sie heraus und sagen, dass es ein Problem mit dem Turbo gibt, das sie aber nicht sofort beheben können.
Wir sollen am nächsten Morgen um 9 Uhr wiederkommen und ihnen drei Tage Zeit geben.
Das Testen kostet nichts – 30,80 Euro schenken sie uns.
Das klingt fair, also stimmen wir zu.
Aber dann kommt die große Frage: Wo bleiben wir die nächsten drei Tage?
Ein Hotel? Schwierig – vieles hat geschlossen.
Wir müssen noch Wasser auffüllen und suchen einen Supermarkt.
Parken ist Stress pur – enge Gassen, kein Platz für den Van.
Also kurz auf der Hauptstraße halten, rein in den Mini-Supermarkt, raus, fertig.
Wieder unten am Campingplatz treffen wir die Besitzer in der kleinen Bar und fragen, ob sie vielleicht eine Hütte oder Unterkunft für uns hätten.
Die Frau überlegt keine Sekunde und bietet uns eine Ferienwohnung mit Blick auf den See an.
„Da scheint die Sonne aufs Dach“, sagt sie, „da ist es etwas wärmer.“
Blöd es gibt aktuell keine Sonne. ;-)
Sie bringt uns sogar eine Heizung.
Wir sind überglücklich, packen ein paar Sachen und richten uns ein.
Die kleine Wohnung hat eine Wohnküche mit TV und zwei Schlafzimmer – eines mit Doppelbett.
Schnell merken wir: Es ist kalt.
Aber alles ist sauber, ordentlich und zweckmäßig.
Drei Tage Warten und eine Menge Begegnungen
Die nächsten Tage verbringen wir hauptsächlich drinnen – am Tisch, neben der kleinen Heizung, mit portugiesischem Fernsehen oder mal einer Serie auf Englisch.
Draußen regnet es fast ununterbrochen.
Ich habe Spaß am Kontakt zu den Besitzern – sie kochen auf Gasbrennern in riesigen Töpfen, direkt auf dem Boden.
Ich schaue zu, probiere und finde es einfach klasse.
Die beiden sind wirklich herzlich und authentisch.
Immer wieder kommen Gruppen an.
Der Besitzer erklärt im Gemeinschaftsraum viel über Pilze,
und anschließend kocht er die gefundenen Exemplare –
Eine tolle Idee!
Ich lerne auch einen jungen Mann kennen – Waschke (so ungefähr klingt sein Name auf Portugiesisch).
Er hilft den Besitzern für eine Woche, spricht ein bisschen Deutsch und studiert in Coimbra.
Wir verstehen uns gut – ich spreche langsam, er lacht über mein hessisches „Gebabbel“. 😄
Er zeigt mir ein paar der Gerichte, die sie für die Gruppen zubereiten.
Abends bieten uns die Besitzer immer wieder Gemüsesuppe an –
und in der kalten Wohnung schmeckt die einfach himmlisch.
Die kleine Heizung läuft 24 Stunden am Tag, immer da, wo wir gerade sind – Küche oder Schlafzimmer.
Gut, dass wir unsere Biberbettwäsche dabei haben!
Trotz allem merke ich, dass die drei Tage sich ziehen.
Ich schreibe der Werkstatt schon am zweiten Tag, aber bekomme keine Antwort.
Das ist hier normal – sie nehmen sich die Zeit, die sie brauchen.
Trotzdem belastet mich das Warten sehr.
Am dritten Tag am Morgen kommt endlich die Nachricht:
Wir können den Wagen abholen und testen!
Die Erleichterung
Wir lassen uns per Taxi abholen.
Der Crafter steht schon bereit.
Wir fahren los – steile Straßen rauf und runter – und ich merke sofort:
Er läuft wieder flüssiger!
Die Mechanikerin übersetzt mit dem Handy:
Der Sensor vom Turbo war verschmutzt,
und ein Loch in der Leitung wurde repariert.
Gesamtkosten: 90 Euro.
Ich kann es kaum glauben.
Was hatte ich mir Sorgen gemacht!
Drei Tage Kopfkino – völlig umsonst.
Wir fahren zurück, räumen die Wohnung,
packen alles wieder in den Crafter,
der sich plötzlich wärmer anfühlt als jede Ferienwohnung.
Wieder zuhause – auf Rädern.
Wir sagen den Besitzern Bescheid, dass wir übermorgen abreisen.
Noch ein kurzer Abstecher nach Coimbra – dort gibt’s einen tollen Biomarkt!
Sie erzählen uns, dass sie selbst ein paar Tage wegfahren – endlich mal zuhause schlafen.
Und dann erfahren wir das Beste:
Der Campingplatz ist eigentlich seit Oktober geschlossen!
Nur wegen der Pilzgruppen war er überhaupt geöffnet also für uns so zusagen –
und nur deshalb konnten wir hier stehen,
den Crafter reparieren lassen
und diese wunderbaren Menschen kennenlernen.
Ich werde die beiden Besitzer und auch den jungen Mann aus Coimbra nicht vergessen.
Was für Begegnungen wir immer wieder haben – das ist das eigentliche Geschenk dieser Reise.
Sie verfolgen inzwischen sogar meinen Blog.
An dieser Stelle möchte ich mich bei allen dreien ganz herzlich bedanken.
Es war eine großartige Erfahrung, und ich wünsche ihnen von Herzen alles Gute.
Unsere Reise geht nun weiter in den Süden,
mit neuen Zielen, neuen Eindrücken –
und als nächsten Halt: Fátima und Tomar.
Besondere Orte, dazu später im kommenden Abschnitt.
Ein Ort voller Geschichte, Glauben und Emotionen.
Unser Testausflug nach Coimbra
Nach unserem erfolgreichen Testausflug mit dem CamperVan machten wir uns direkt auf den Weg nach Coimbra. Unser erstes Ziel war der große Bio-Supermarkt, der uns schon von außen begeistert hat. Drinnen war er hervorragend sortiert – besser als man es oft in Portugal erwartet. Und wie in fast allen portugiesischen Supermärkten gab es natürlich Toiletten. Da stellte sich mir erneut die Frage, warum es so etwas in Deutschland kaum gibt. Haben die Deutschen ein anderes Toiletten-Empfinden? Lach…
Vom Parkplatz am Biomarkt liefen wir anschließend in die Stadt hinein – und natürlich auch wieder hoch, denn wie überall in Portugal gibt es kaum flache Ebenen. Coimbra bildet da keine Ausnahme: Die Stadt ist auf Hügeln gebaut, die Häuser passen sich der Schieflage an, und bei jedem Spaziergang werden die Beinmuskeln automatisch trainiert.
In der Innenstadt, besonders in der Altstadt, wurden wir durch viele kleine Gassen geführt und trafen überall auf Studenten. Viele trugen die traditionellen schwarzen Umhänge, die an Harry Potter erinnern – ein typisches Bild für Coimbra.
Wir besuchten auch die berühmte Kirche, in der der erste und der zweite König von Portugal bestattet sind. Dieser Besuch war eine klare Empfehlung unserer lieben Campingplatz-Besitzerin am Stausee, und wir waren froh, ihrem Tipp gefolgt zu sein.
Auf den Straßen begegneten wir später einigen Studenten, die Musik machten und Tänze aufführten. Man sah ihnen an, wie viel Spaß sie daran hatten – das gibt der Stadt ein lebendiges, junges Flair.
Coimbra selbst hat eine beeindruckende Geschichte:
Sie war im Mittelalter die frühere Hauptstadt Portugals, bevor Lissabon diese Rolle übernahm. Außerdem besitzt Coimbra eine der ältesten Universitäten Europas (gegründet im 13. Jahrhundert), die bis heute das Stadtbild prägt.
Die Stadt teilt sich in zwei Teile:
Einen modernen, sehr großen Bereich mit breiten Straßen und vielen Geschäften – und eine kleinere, charmante Altstadt, in der sich auch die Haupt-Einkaufsstraße befindet.
Ein gelungener Ausflug, der uns nicht nur die Funktionsfähigkeit unseres CamperVans bestätigte, sondern auch eine weitere wunderschöne portugiesische Stadt näherbrachte.
Weiterreise Richtung Lissabon – Zwischenstopp in Fátima
Unsere Reise Richtung Lisboa geht endlich weiter. Nach unserem Aufenthalt auf dem Campingplatz in Coimbra – groß, aber nicht wirklich schön und leider ziemlich ungepflegt – steuern wir nun die Orte an, die wir uns vorab gespeichert haben: Fátima und Tomar.
Fátima – ein unscheinbarer Ort mit großer Geschichte
Als wir nach Fátima hineinfahren, wirkt alles zunächst völlig unauffällig. Ein kleiner Ort, ruhig, nichts Besonderes. Doch genau hier ereignete sich vor etwas mehr als 100 Jahren etwas, das die katholische Welt veränderte:
1917, so erzählt es die Überlieferung, erschien die Jungfrau Maria drei Hirtenkindern – Lúcia, Francisco und Jacinta. Mehrmals sollen sie die Erscheinung gesehen haben. Diese Ereignisse machten Fátima zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Europas.
Wir wollten eigentlich nur die bekannte Kirche besuchen – ohne große Erwartungen. Doch schon auf dem Parkplatz merkten wir, dass hier etwas Besonderes los ist. Viele Menschen strömen in die große, weiße Basilika, und wir kommen genau rechtzeitig, um ein Klangbeispiel der riesigen Orgel mitzuerleben. Eine Messe steht kurz bevor. Wir lassen uns von der Musik tragen, ich mache für euch eine kleine Aufnahme, und genießen diesen Moment.
Als wir auf der anderen Seite der Kirche wieder hinausgehen, trauen wir unseren Augen kaum:
Vor uns öffnet sich ein riesiger Platz, so groß wie der in Rom vor dem Petersdom. Menschenmassen bewegen sich in Richtung einer langen, flachen Kapelle auf der rechten Seite.
Dort bildet sich eine unglaublich lange Warteschlange. Die Menschen halten Kerzen in der Hand – große, kleine, kunstvoll verzierte – und bewegen sich langsam auf einen Bereich zu, aus dem Rauch aufsteigt. Wir sehen Flammen. Es scheint, als würden sie ihre Kerzen dort dem Feuer übergeben, als Opfergabe oder als Bitte.
Christina fällt beim ersten kleinen Gebäude etwas auf: Im Innenraum gibt es einen sehr niedrigen Handlauf. Dann kommt eine Dame um die Ecke, die auf den Knien ihre Runden dreht. Kurz darauf sehen wir viele weitere Menschen, die den gleichen Weg wählen – alle knieend, manche mit Tränen in den Augen, andere tief versunken. Ihr Ziel ist der Altar, auf dem die Statue der Heiligen Maria steht, jener Figur, die an den Ort der Erscheinungen erinnert.
Für mich als eher rational denkenden Menschen ist das ein sehr intensiver Moment. Ich habe schon vieles gesehen, aber diese Form der Hingabe, der Glaube, der Schmerz und die Hoffnung, die man hier in den Menschen spürt – das ist neu. Und irgendwie berührt es mich, auch wenn ich nicht genau weiß, was ich davon halten soll. Aber es hat offensichtlich Bedeutung für all jene, die diesen Weg gehen.
Schaut euch einfach die Bilder an, die ich gemacht habe – und hört euch die Orgel an. Ein beeindruckendes Erlebnis.
Tomar – Stadt der Tempelritter & jüdischen Kultur
In Tomar angekommen, steuern wir zuerst einen aufgegebenen Campingplatz an. Obwohl er offiziell nicht mehr betrieben wird, stehen dort erstaunlich viele Camper herum – fast wie ein kleiner Geheimtreff. Wir suchen die Stelle, an der wir unser sauberes Grauwasser ablassen können, fragen freundlich nach – und ernten eher genervte Blicke. Typisch deutsch oder was? Entschuldigung für die Störung…
Vom Campingplatz laufen wir durch einen wunderschön angelegten Park mit Wasserrad, kleinen Kanälen und viel Grün – traumhaft. Und natürlich finden wir auch hier wieder ein öffentliches WC (Portugal gewinnt weiterhin gegen Deutschland…).
Die Innenstadt ist ein kleines Schmuckstück. Und überall sieht man Spuren der Geschichte, denn Tomar war über Jahrhunderte ein bedeutendes Zentrum der Tempelritter und später des Ordens Christi.
🛡️ Historischer Hintergrund – Tempelritter in Tomar
- Die Tempelritter kamen im 12. Jahrhundert nach Portugal.
- Im Jahr 1160 gründete der Ritter Gualdim Pais, der Großmeister der portugiesischen Tempelritter, Tomar und begann mit dem Bau des Convento de Cristo.
Google Maps: https://maps.app.goo.gl/BNP9H9bdE1wCwVJ87 - Nach der Auflösung des Templerordens (1312) übernahm Portugal fast alle Besitztümer und wandelte sie in den Orden Christi um.
- Dieser Orden spielte später eine große Rolle in der Epoche der portugiesischen Entdeckungsfahrten (z. B. Heinrich der Seefahrer).
Wenn du also überall Kreuze, Symbole und alte Wappen siehst – das ist echte Tempelritter-Geschichte.
✡️ Jüdisches Leben in Tomar
Tomar hatte vom 13. bis 15. Jahrhundert eine sehr aktive und große jüdische Gemeinde:
- Die Jüdische Synagoge von Tomar, erbaut im 15. Jahrhundert, ist eine der ältesten erhaltenen Synagogen in Portugal.
Google Maps: https://maps.app.goo.gl/XFN6SRCvRh2sjudd8 - Sie wurde nach der Vertreibung der Juden 1496 als Gefängnis(!) genutzt und später als Lagerraum.
- Heute ist sie ein kleines Museum der jüdischen Geschichte.
Du siehst überall Spuren: hebräische Inschriften, Symbole und Infotafeln.
☕ Croissants & ein Marterpfahl
Bevor wir zur Burg hochgehen, finden wir ein schönes kleines Café – und entdecken echte französische Croissants. Wir packen sofort welche ein.
Später stoßen wir auf einen Marterpfahl – perfekt für ein Foto. Christina lacht sich kaputt, ich stelle mich daneben, und ja… man kann nicht immer wie ein Influencer aussehen.
🏰 Burganlage (Convento de Cristo)
Das berühmte Schloss haben wir diesmal ausgelassen – der Weg war uns an diesem Tag für eine Durchreise zu weit hoch. Aber Tomar hat bei uns trotzdem Eindruck hinterlassen.
Google Maps – Stadtzentrum:
https://maps.app.goo.gl/c7nenWnUYgu3t7M86
Fazit:
Tomar ist ein absolutes Muss – Geschichte, Kultur, Natur und Charme. Und eines der schönsten Beispiele, wie Portugal seine Vergangenheit mit dem Heute verbindet.

Lissabon – Großstadt, Golden-Gate-Brücke und ein bisschen zu viel von allem
Nun kommt Lissabon dran. Dieses Mal mit dem Wissen:
Hier gibt es viel zu sehen – und wir werden trotzdem nur einen Teil davon schaffen.
Das merkt man schon daran, dass es von Lissabon deutlich mehr Bilder geben wird als von den kleinen Dörfern.
Für mich ist es nicht das erste Mal hier. Vor vielen Jahren war ich schon einmal in Lissabon – dienstlich, mit „meiner“ Marke auf einem Global Training. Damals hatte ich nur kurze Abendmomente in der Altstadt: ein paar Lokale, typische kleine Gerichte, die ein bisschen wie Tapas funktionieren – und das war’s auch schon.
Dieses Mal ist es anders. Wir reisen mit dem Camper, kommen von Norden, und Lissabon ist der große Punkt auf der Karte.
Versuch in Sintra – und doch weiter
Eigentlich wollten wir zuerst nach Sintra – dieser Ort, der aussieht, als hätte jemand ein Märchenschloss in die Hügel gepflanzt.
Sintra ist bekannt für den Palácio Nacional da Pena, ein farbenfrohes, romantisches Schloss aus dem 19. Jahrhundert, das wie eine bunte Krone auf der Serra de Sintra sitzt und heute UNESCO-Welterbe ist.
Wikipédia+1
Das Problem:
Sintra besteht im Kern aus einer einzigen langen Einbahnstraße, die sich in Serpentinen nach oben windet – durch enge, urige Gassen, an hübschen Altstadt-Häusern vorbei, hoch zu dieser Burg/Schloss-Kombination.
Wir waren zu spät dran.
Also hoch, wieder runter, und am Ende die Entscheidung:
Weiter Richtung Lissabon, damit wir vor Sonnenuntergang noch den Campingplatz erreichen.
(Und ja: Kann man nicht einmal die Sommerzeit lassen, damit es abends eine Stunde länger hell ist? Kleiner Spaß – aber ernst gemeint. 😉)
Der Campingplatz ist riesig – aber die Sanitäranlagen sind echt grenzwertig. Groß, alt, lieblos. Da will man sich eigentlich nicht mal hinstellen. Naja, ist nur die Basis, morgen wird Stadt gemacht.
Uber ins Nirgendwo – und dann LX Factory
Am nächsten Tag nehmen wir Uber – Plan: ab in die Innenstadt.
Realität: Der Fahrer setzt uns irgendwo oben in Lissabon ab, weit weg von dem, was wir eigentlich sehen wollten. Unser Fehler – alles zu schnell gebucht, ohne genau zu schauen, wo das eigentliche Zentrum ist.
Also laufen wir – immer bergab, logisch, es ist Lissabon.
Und in meinem Kopf nur: „Mist, wir verlieren Zeit, wir wollten doch so viel sehen.“
Nach einer Weile bestellen wir den nächsten Uber und lassen uns zu einem Ort bringen, der sich als Volltreffer entpuppt: LX Factory.
LX Factory liegt im Stadtteil Alcântara, direkt unter der großen Brücke des 25. April.
Früher war das ein riesiger Industriekomplex – eine Textilfabrik aus dem 19. Jahrhundert mit rund 23.000 m² Fläche. Heute ist es ein kreativer Hotspot mit Ateliers, kleinen Läden, Cafés, Street Art, Buchläden und Restaurants – ein perfektes Beispiel dafür, wie man alte Industrie in ein lebendiges Kulturviertel verwandeln kann.
Lx Factory+2The Lisbon Guide - Updated for 2025+2
Ganz ehrlich: Genau mein Ding.
Alte Fassaden, Graffiti, Typografie, Schilder, urbane Strukturen – ich konnte mich fotografisch komplett austoben.
Pastéis de Nata & LX-Mittagspause
Bevor wir bei LX Factory landen, stolpern wir zufällig noch in eine der berühmten Pastel-de-Nata-Bäckereien.
Der Erfinder ist offiziell in Belém zuhause, aber diese kleinen, warmen Blätterteigtörtchen mit Puddingfüllung und Zimt oben drauf – einfach göttlich.
Wir bestellen jeder zwei, warm, außen knusprig, innen cremig.
Mehr braucht man nicht, um zu wissen: Ja, wir sind wirklich in Portugal.
In LX Factory gönnen wir uns dann Mittagessen:
eine rote bzw. schwarze Limonade (mit Aktivkohle) und für mich einen Burger, für Christina ein mega geiles Sandwich.
Danach gehen wir in einen Bereich, in dem sich um die 33 Pop-up-Stores tummeln – Design, Kunst, Mode, Bücher, Kleinkram.
Ich hätte da den ganzen Tag verbringen können.
Aber: Wir hatten für teuer Geld 66 Euro für zwei Tickets im Hop-on-Hop-off-Bus bezahlt – also mussten wir die auch nutzen.
Hop-on-Hop-off: Lissabon ist groß. Sehr groß.
Mit dem Bus wird schnell klar:
Lissabon ist riesig – und zieht sich in die Breite.
Zu Fuß? No Go, wenn man nur einen Tag hat.
Wir fahren durch breite Straßen, moderne Viertel, große Plätze.
Viel Verkehr, breite Schneisen – alles, was man von einer Großstadt kennt, aber nicht unbedingt das, was mich anzieht.
Unser Ziel ist die Altstadt, besonders Alfama.
Um dorthin zu kommen, müssen wir in einen kleineren Bus umsteigen, der durch die engen Gassen fahren kann, wo die großen Busse keine Chance haben.
Auf dem Weg sehen wir auch die andere Seite der Großstadt:
viele Drogensüchtige, Menschen, die abgehängt wirken.
Ein Bild, das man kennt, aber nie gern sieht.
Ich bin ehrlich froh, als wir Alfama erreichen.
Alfama – Tram, Gassen und ein bisschen Magie
In Alfama ist alles enger, älter, echter.
Hier fährt die berühmte gelbe Tram durch die schmalen Gassen,
und ich habe das große Glück, ein paar echte Schnappschüsse einzufangen –
genau die Art Bilder, die man als Streetfotograf in seinem Portfolio haben möchte.
Von oben hat man einen fantastischen Blick über die Dächer,
und man sieht auch die riesigen Kreuzfahrtschiffe, die unten am Tejo liegen.
Ponte 25 de Abril & Cristo Rei – Lissabon in ikonisch
Auf unserer Bustour sehen wir auch die Brücke,
die alle immer mit der Golden Gate Bridge vergleichen:
die Brücke des 25. April (Ponte 25 de Abril).
- eröffnet 1966 als „Ponte Salazar“, benannt nach dem Diktator António de Oliveira Salazar
- nach der Nelkenrevolution 1974 umbenannt auf das Datum des Umsturzes: 25. April
- sie verbindet Lissabon mit Almada auf der Südseite des Tejo und führt sowohl Autos als auch Züge über den Fluss Wikipedia+2lisbon.net+2
Auf der anderen Seite des Flusses steht der riesige Christus: Cristo Rei in Almada.
- inspiriert von der Christusstatue in Rio de Janeiro
- eingeweiht 1959
- etwa 110 Meter hoch (inkl. Sockel)
- errichtet als Dank, dass Portugal vom direkten Schrecken des Zweiten Weltkriegs verschont blieb Wikipedia+2Giddioso Travel Guides+2
Von dort oben hat man an klaren Tagen sogar Sicht bis nach Sintra.
Porto vs. Lissabon – unsere persönliche Wahrnehmung
Wenn ich Lissabon in Bildern denke, dann sehe ich sofort:
die Tram, Alfama, LX Factory, die Brücke, Cristo Rei, bunte Kacheln, Menschen.
Es gibt viel zu fotografieren – und meine 125 Bilder aus Lissabon sprechen da für sich.
Aber wenn ich ehrlich bin, und entscheiden müsste zwischen
Porto und Lissabon –
dann ist es für mich ganz klar: Porto.
Das heißt nicht, dass Lissabon nicht spannend ist.
Die Stadt hat unfassbar viel zu bieten – und wir haben sicher nur einen kleinen Teil gesehen.
Auch Sintra steht noch auf der Liste, das wollen wir auf jeden Fall nachholen.
Aber unser Weg führt weiter nach Süden, in die Algarve.
Im Moment sitzen wir in Mikki’s Place, einer Country Location, die einfach nur cool ist – mit vielen Tieren und einer bunten Mischung aus Deutschen (viele Hessen 😄), Engländern und Holländern.
Dazu wird es auf jeden Fall noch einen eigenen Abschnitt mit Bildern geben.
Jetzt erst einmal:
Schaut euch die Bilder von Lisboa an – 125 Stück. Es lohnt sich.
Have fun. 🎞️
Nazaré
der Mythos der Monsterwellen
Ankunft in Nazaré – der Mythos der Monsterwellen
Nazaré. Allein der Name lässt einen an die größten Wellen der Welt denken. 30 Meter hohe Wasserwände, Surfer, die aussehen wie Superhelden – klar, dass wir genau deshalb hierher wollten. Uns war aber bewusst, dass es aktuell nicht stürmisch ist und wir keine XXL-Wellen erleben würden. Trotzdem: dieser Ort soll etwas Magisches haben.
Erster Eindruck – und der war… sagen wir: speziell
Wir fahren also den Berg hinunter Richtung Strand und sehen schon von Weitem die typische Skyline von Nazaré: ein paar hohe Hotelblöcke, breite Strände, viel Trubel.
Wir finden einen Schotterparkplatz – kostenlos, halb Baustelle, halb Geheimtipp – und steigen aus.
Während ich auf Christina warte, bemerke ich aus dem Augenwinkel einen Mann, der mich fixiert. Ich drehe mich um und sofort ist klar: er ist obdachlos und hofft auf Geld.
Reflexartig fühle ich mich an die Parkplatz-Situationen in Südafrika erinnert. Nicht schön, aber ehrlich: mein erster Gedanke war „Bitte beeil dich, Christina… ich will hier weg.“
Als wir vom Parkplatz Richtung Strand laufen, denke ich mir: „Vielleicht gebe ich ihm doch was zu essen oder ein Snickers… nicht, dass er was am Auto macht.“
Natürlich ist es unfair, einen Menschen direkt in eine Schublade zu stecken – aber solche Situationen machen einfach etwas mit einem.
Die Strandpromenade – zwischen Tourismus & Tradition
Die Promenade ist voll, laut, bunt – ein typischer Küstenort.
Surfbretter, Souvenirs, Restaurants, kleine Stände.
Und etwas, das ich so noch nie gesehen habe:
Frauen, die an traditionellen Holzgestellen Fisch und Meeresfrüchte in der Sonne trocknen.
Familien sitzen am Strand, beobachten den Sonnenuntergang und das Meer rauscht im Hintergrund.
Ein Musiker spielt brasilianische Gitarrenmusik – kurz dachte ich wirklich, ich wäre an der Copacabana gelandet.
Wunderschön – aber etwas fehlte.
Wo sind denn jetzt die berühmten Monsterwellen?!
Ich suche den Horizont ab… nichts.
Dann sehe ich in der Ferne zwar einige größere Wellen – aber hinter einer riesigen Steilküste.
Klarer Fall: Wir stehen an der falschen Seite von Nazaré.
Der eigentliche Hotspot liegt weiter nördlich am Leuchtturm von Nazaré, der auf dem Felsen „Sitío“ steht.
Dort brechen die legendären Riesenwellen.
Aber es wurde schon dunkel – und wir mussten weiter zum Stellplatz, wo man bereits auf uns wartete.
Der Olivenhof – ein geheimer Traumplatz
20 Minuten später fahren wir auf den Hof eines Olivenbauern.
Die Besitzer erwarten uns schon.
Ein Haus wie ein Herrenhaus, lange Tische entlang der Fassade, wunderschöne Olivenbäume – einfach traumhaft.
Wir kommen sofort ins Gespräch.
Dann das Highlight:
„Wenn ihr wollt, könnt ihr eurem Camper-Dinner in unserer Industrieküche zubereiten.“
Ich falle fast um.
Eine komplette Profiküche – für uns ganz allein.
Natürlich nutze ich das sofort: Töpfe raus, Zutaten holen, anbraten, kochen, genießen.
Ich liebe Küchen – und diese Situation war Gold wert.
Nach dem Essen wird selbstverständlich alles geputzt, damit auch wirklich nichts von meiner Marc-typischen Koch-Explosion übrig bleibt.
Unser Stellplatz – zwischen Olivenbäumen unter dem Sternenhimmel
Wir fahren hinter das Haus und parken zwischen wunderschönen Olivenbäumen.
Duschen, Waschräume, alles top.
Morgen erwartet uns ein besonderes Erlebnis:
👉 Eine persönliche Führung durch die Olivenmühle – vom Baum bis zum Öl.
Darauf freue ich mich wie ein kleines Kind.
Und natürlich fahren wir danach noch einmal nach Nazaré – aber dann an den richtigen Ort, zum berühmten Leuchtturm.
Gute Nacht.
Morgen wird spannend.
Unsere ganz persönliche Olivenöl-Erfahrung bei Casa Feteira
Bevor wir in die Details des Produktionsprozesses eintauchen, muss ich eines sagen:
Wir hatten eine absolut besondere, exklusive Führung.
Keine Standardtour, kein Touristenspektakel – sondern echtes Handwerk, echte Menschen, echte Momente.
Sobald wir auf dem Gelände ankamen, standen wir mitten im Geschehen:
- Ältere Herren mit ihren kleinen Pickups rollten an, die Ladeflächen voll mit diesen typischen großen Olivenkörben.
- Familien brachten ihre eigenen Körbe, Säcke und Kanister – prall gefüllt mit Oliven aus ihren Gärten.
- Am Eingang warteten bereits Kunden mit Metallbehältern, Flaschen und Kanistern, um „ihr“ Olivenöl abzuholen.
Dieser Ort lebt – und zwar richtig.
Ein Mitarbeiter, der gerade seine eigenen Oliven vorbereitet hatte, fuhr ständig mit dem Gabelstapler hin und her.
Ich musste ihn einfach fotografieren.
Wie er seine Oliven in der Hand hielt – stolz, zufrieden, wie ein Winzer mit seiner Traube.
Ein ehrlicher Moment, der zeigt, wie viel Herz hier drinsteckt.
Und dann… das Highlight:
🫶 Der Hofesel
Als wir mit der Führung fertig waren, kam plötzlich der Haus-Esel zu uns.
Ein sanfter Riese.
Er legte seinen Kopf ganz vorsichtig in meine Hände – als würde er sagen:
„Danke, dass ihr hier seid.“
Christina und ich lieben Esel.
Dieser Moment war fast magisch.
Ihr seht es auf den Fotos: Ich konnte kaum loslassen – und er auch nicht.
Der Weg zum Olivenöl – so haben wir ihn vor Ort erlebt
Die Olivenmühle von Casa Feteira wurde 2007 komplett renoviert und 2018 erweitert.
Heute schafft sie unglaubliche 3000 kg Oliven pro Stunde – und das mit modernster, schonendster Technik.
Hier der Prozess, wie wir ihn vor Ort gesehen haben:
1️⃣ Anlieferung & Qualitätskontrolle
Wir standen direkt neben den Bauern, die mit ihren Pickups ankamen.
Jeder hatte seinen eigenen Vorrat: große Körbe, Säcke, Metallbehälter.
Die Oliven werden sofort geprüft:
- Frische
- Sauberkeit
- Reifegrad
Es war spannend zu sehen, wie jeder Bauer sein Olivengold fast wie ein Schatz ablieferte.
2️⃣ Waschen & Entblättern
Über ein Förderband gelangten die Oliven in ein großes Becken:
Waschen, Blätter raus, Zweige raus – alles vollautomatisch.
Wir konnten direkt daneben sehen, wie die Oliven immer sauberer wurden.
3️⃣ Zerkleinern (Mahlen) der ganzen Olive
Die Oliven (mit Kern!) werden gemahlen.
Die Maschine macht daraus eine dicke Paste – ein faszinierender Anblick.
Man ahnt hier zum ersten Mal: Da steckt wirklich Öl drin.
4️⃣ Kalte Malaxation – die Seele des Aromas
Die Paste wird langsam gerührt – ganz vorsichtig.
Bei Casa Feteira gilt:
➡️ Max. 35°C – echte Kaltpressung
Unsere Führerin hat es uns extra gezeigt und erklärt:
Nur so bleiben Geschmack, Vitamine und Polyphenole erhalten.
5️⃣ Zwei-Phasen-Zentrifugation
Jetzt passiert das „Wunder“:
Die Olivenpaste wandert in eine ultra-moderne Zentrifuge:
- kein Sauerstoff
- keine Hitze
- komplett geschlossener Prozess
Das Resultat:
Reinstes, goldenes Olivenöl in absoluter Premiumqualität.
6️⃣ Bis zu 7 Öle gleichzeitig – ohne Vermischung
Das beeindruckte uns besonders:
Diese Mühle kann sieben verschiedene Olivenchargen gleichzeitig verarbeiten.
➡️ Bauern bringen ihre eigenen Oliven
➡️ Sie bekommen ihr eigenes Olivenöl zurück
➡️ Keine Vermischung
Das ist für Portugal etwas sehr Besonderes.
7️⃣ Filtriert oder naturtrüb
Je nach Wunsch:
- glasklar
- mild
- oder naturtrüb und intensiv
Unsere Führerin ließ uns sogar beide vergleichen – grandios!
8️⃣ Abfüllen & Mitnehmen
Die Menschen, die wir ganz am Anfang gesehen hatten, kamen jetzt wieder:
- Kanister
- Flaschen
- Edelstahlbehälter
Sie füllen ihr Öl, aus ihren eigenen Oliven, frisch gepresst, direkt vor Ort.
Man spürt: Für die Menschen hier ist Olivenöl kein Produkt.
Es ist Kultur. Familie. Identität.
Unser Fazit
Dieser Tag war viel mehr als nur eine Führung:
- Es war ein Blick in die Seele eines Handwerks.
- Ein Stück echtes Portugal.
- Und ein emotionaler Moment mit einem Esel, den wir nicht vergessen werden.
Ein Ort, an dem Tradition und moderne Technik Hand in Hand gehen.
Und wir sind dankbar, dass wir das so persönlich erleben durften.
Der Nazaré Canyon – warum es hier Monsterwellen gibt
Unten angekommen sieht man sofort, dass irgendetwas Besonderes mit dem Meer passiert.
Die Wellen kommen anders rein als an einem „normalen“ Strand.
Der Grund ist spektakulär:
🌊 Der Nazaré Canyon – ein 3.000 Meter tiefer Unterwasser-Abgrund
- Der Canyon beginnt direkt vor der Küste
- Er ist 230 km lang
- Und bis zu 3.000 Meter tief (!)
Dieser Canyon wirkt wie eine gigantische Wellenverstärker-Anlage:
- Die Energie der Atlantikwellen schießt tief unten durch den Canyon
- Parallel dazu kommen flache Küstenwellen
- Beide treffen sich – und verstärken sich gegenseitig
- Das Ergebnis: Wellen bis zu 30 Meter Höhe
Du hast Bilder aufgenommen, die genau das zeigen:
Vor der Küste fällt der Meeresboden fast senkrecht ab, und das erklärt das ganze Phänomen.
Beim Leuchtturm – und trotzdem ohne Surfer
Wir stehen also unten am Leuchtturm – der Ort, an dem diese Weltrekordwellen brechen.
Eigentlich DER Hotspot für Big-Wave-Surfer.
Aber heute?
Nichts.
Ein paar Surfer waren zwar da, aber nur an Land.
Keine gigantischen Wellen, keine Action im Wasser.
Schade für mich – ich hatte wirklich gehofft, jemanden live in die Wellen rausfahren zu sehen.
Aber Nazaré entscheidet selbst, wann sie ihre Kräfte zeigt.
Also mache ich das, was ich immer mache:
Ich fotografiere, was da ist.
- eine Mutter, die ihren Sohn auf der Mauer fotografiert
- Menschen, die fassungslos aufs Meer schauen
- Verkäuferinnen mit traditioneller Nazaré-Tracht
- und natürlich die Wellen, so wie sie an diesem Tag waren
Und dann die heiligen Hallen im Leuchtturm:
Die Surfbretter derjenigen, die hier Geschichte geschrieben haben.
Die Namen, die Rekorde, die gewaltigen Shapes – Wahnsinn!
Ich schicke die Bilder direkt an meinen Bruder Udo, der sofort zurückschreibt.
Christina ruft ihren Bruder an – er hat Geburtstag – und auch er feiert Nazaré sofort ab.
Auch ohne Monsterwellen beeindruckend
Ja, keine 30-Meter-Wellen.
Ja, keine Surfer, die wie Superhelden auf dem Wasser reiten.
Aber Nazaré hat uns trotzdem beeindruckt:
👉 der Ort
👉 die Energie
👉 der Canyon
👉 der Leuchtturm
👉 die Geschichte
👉 und das Gefühl, an einem der krassesten Surfspots der Welt zu stehen
Die riesige Strandpromenade von Nazaré rückt damit etwas in den Hintergrund –
der „echte“ Spot ist definitiv hier oben am Felsen.
Und auch wenn die Wellen diesmal klein waren, das Erlebnis war groß.
Évora – eine Stadt voller Geschichte, weißer Mauern, Knochen, Tempel & Gewitterstimmung
Nach unserer Fahrt durch das sattgrüne Herz Portugals – vorbei an Korkeichenwäldern und mächtigen, frei laufenden Rindern, die aussehen, als hätten sie hier mehr Platz als jeder Mensch – kommen wir in Évora an. Zentralportugal eben: weit, ruhig, voller Natur und Geschichte.
Unser Campingplatz: viel Sand… also wirklich viel Sand. Das nervt beim Ein- und Aussteigen aus dem CamperVan, aber gut – dafür sind wir in 20 Minuten zu Fuß mitten in der Altstadt.
Schon auf dem Weg fällt mir etwas auf, was ich so in Portugal immer wieder sehe: Straßenfeger sind hier fast ausschließlich Frauen. Und alle wirken gepflegt, freundlich und unglaublich fleißig – fast ein kleines Ritual am Straßenrand. Andere Länder, andere Sitten… und irgendwie schön.
Ankunft in der Altstadt – wo Geschichte an jeder Ecke lauert
Wir laufen durch das Stadttor und merken sofort: Évora war früher eine ummauerte Festungsstadt.
Die schneeweißen Häuser, die engen Gassen und die vielen Kirchen verraten es sofort.
Leider hatten wir an diesem Tag ein persönliches kleines Missverständnis, das die Stimmung etwas trübte – passiert wohl, wenn man über Wochen auf engstem Raum zusammenlebt. Trotzdem versuche ich, fotografisch das Beste draus zu machen.
Wer mich kennt, weiß: Schwarzweiß rettet jeden Tag – oder zumindest die Bilder.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Évoras – kurz erklärt
1. Templo Romano de Évora („Diana-Tempel“)
Ein römischer Tempel aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., einer der besterhaltenen auf der Iberischen Halbinsel.
Fun Fact: Er wird „Diana-Tempel“ genannt, obwohl er mit der Göttin Diana vermutlich gar nichts zu tun hat. Historiker gehen eher von einem Tempel zu Ehren des römischen Kaisers aus.
2. Capela dos Ossos – die berühmte Knochenkapelle
Bauzeit: 16. Jahrhundert
Material: Die Gebeine von etwa 5.000 Menschen.
Warum?
Die Franziskanermönche wollten Platz auf den überfüllten Friedhöfen schaffen und gleichzeitig daran erinnern, dass das Leben vergänglich ist. Über dem Eingang steht:
“Nós ossos que aqui estamos, pelos vossos esperamos.”
„Wir Knochen, die hier liegen, warten auf eure.“
Ziemlich morbide – aber sicher eine der beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten Portugals.
3. Sé Catedral de Évora (Kathedrale) – inklusive Dachterrassen
Eine romanisch-gotische Kathedrale aus dem 12.–13. Jahrhundert.
Für wenige Euro kann man aufs Dach steigen – und genau da hattest du deine perfekten Schwarzweiß-Shots:
- alte Mauern
- Zinnen
- ein Kreuzgang
- ein Blick über Évora, der nach Film Noir schreit
Die Treppen sind eng, aber der Aufstieg lohnt sich.
4. Igreja de São Francisco (Kirche der Knochenkapelle)
Zur Kirche gehört die Capela dos Ossos.
Groß, beeindruckend, innen sehr hell – und voller Besucher, die über die Kapelle staunen.
5. Alto de São Bento – der Naturblick über Évora
(Manchmal sichtbar, wenn man in die richtige Richtung läuft.)
Gigantische Felsformationen, Weitblick über die Ebene – typisch Alentejo.
Atmosphäre in der Stadt
Wir entdecken außerdem:
- Pfauen, die einfach über die Straße spazieren
- eine Ausstellung mit Krippen aus aller Welt
- kleine Plätze voller Studenten
- enge Gassen, die perfekt für Streetfotografie sind
- eine Stimmung, die zwischen mystisch und sonnig wechselt
Doch plötzlich wird der Himmel schwarz.
Ein Gewitter zieht auf – und irgendwie passt das zur Stimmung des Tages.
Also machen wir uns auf den Rückweg und sprechen im Camper über unser kleines Missverständnis.
Man muss Dinge klären, sonst tragen sie sich unnötig weiter.
Zum Glück: Auf Regen folgt meistens Sonne – auch im Kopf.
Was Évora besonders macht
- UNESCO-Weltkulturerbe seit 1986
- Mischung aus römischer, maurischer und christlicher Geschichte
- weiß gekalkte Häuser (typisch Alentejo)
- Korkeichen soweit das Auge reicht
- Rinderherden auf endlosen Feldern
- eine Ruhe, die man nicht überall findet
Trotz unseres turbulenten Tages: Évora hat definitiv etwas Magisches.
Zambujeira do Mar – Atlantik, Fischerpfad und diese besondere Weite
Zambujeira do Mar ist eine kleine Ortschaft und ehemalige Gemeinde im Kreis Odemira an der westlichen Atlantikküste Portugals.
Mit rund 41 km² Fläche, etwa 900 Einwohnern und einer sehr geringen Bevölkerungsdichte wirkt der Ort fast wie ein Rückzugsraum – weit weg vom Trubel größerer Küstenorte.
Wir kommen auf einem Campingplatz an, der uns sofort gut gefällt:
viel Platz, Stellflächen mit Abstand, ein großer Supermarkt direkt am Platz und ein Restaurant bzw. eher ein Bistro, das genau das bietet, was man nach einem Tag draußen braucht. Alles unkompliziert, alles entspannt.
Der Ort selbst ist in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar – klein, überschaubar, ruhig. Und genau hier verläuft auch ein Abschnitt des berühmten Fischerpfads (Trilho dos Pescadores), einem der spektakulärsten Küstenwanderwege Europas mit einer Gesamtlänge von etwa 226 Kilometern.
Ein Ort im Wandel
Was uns bei unseren Besuchen auffällt:
Wir sehen kaum Portugiesen. Stattdessen begegnen wir sehr vielen Menschen aus Indien. Viele arbeiten auf den Baustellen oder in den riesigen Gewächshauslandschaften rund um den Ort. Auch einige Restaurants und kleine Läden scheinen übernommen worden zu sein – oft einfache Geschäfte mit günstiger Ware.
Das ist keine Wertung, eher eine Beobachtung.
Der Ort verändert sich, wie so viele Orte. Und wir entscheiden uns bewusst dafür, unseren Blick weiter auf das zu richten, was uns hierhergeführt hat: die Küste.
Die Küste – rau, sanft und zeitlos
Und die ist schlichtweg überwältigend.
Der Atlantik trifft hier mit voller Kraft auf die Steilküste.
Die Wellen haben eine andere Energie als zuvor – breiter, tiefer, wilder.
Die Felsen erzählen Geschichten in Schichten: Jahrtausende aus Sand, Druck, Wind und Wasser. Man sieht förmlich die Zeit in den Linien und Farben der Klippen.
Zwischen diesen rauen Abschnitten öffnen sich immer wieder kleine Buchten – menschenleer, geschützt, fast sanft. Orte, an denen der Atlantik für einen Moment innehält.
Mich begeistern diese Kontraste:
hart und weich, laut und still, endlos und ganz nah.
Bilder als Verdichtung von Gefühl
Um euch diese Stimmung näherzubringen, habe ich meinen Bildern bewusst einen Feinschliff gegeben.
Mehr Kontrast, mehr Struktur – nicht um zu verfremden, sondern um sichtbar zu machen, was man oft erst spürt, wenn man dort steht.
Ich sehe das fertige Bild oft schon, bevor ich auslöse.
Die Texturen im Fels, das Spiel von Licht und Schatten, der Wind in den Gräsern.
Diese Küste ist kein schneller Blick – sie will gelesen werden.
Der Fischerpfad – Glück in Bewegung
Auf dem Fischerpfad unterwegs zu sein, ist etwas Besonderes.
Ich habe Christina dabei beobachtet – ihre Freude, ihre Leichtigkeit.
Dieses Gehen entlang der Kante Europas macht etwas mit einem. Es erdet, es öffnet, es beruhigt.
Die Sonne, das Licht, der Sand, die Blüten und Sträucher – all das fügt sich zu einem Bild, das fast wie ein Gemälde wirkt.
Die kleine Kirche an der Küste war eine perfekte Kulisse. Still, zurückhaltend, aber präsent.
Und immer wieder Wanderer, die hier Halt machen, kurz stehen bleiben, hinausschauen – sichtbar stolz, einen weiteren Abschnitt geschafft zu haben.
Zambujeira do Mar ist kein Ort für Action.
Es ist ein Ort für Blickwechsel.
Für Weite.
Für Ruhe.
Und für Bilder, die Zeit brauchen.
Lagos – Sonne, Surfer-Vibes und Naturwunder der Algarve
Nun sind wir an der Südalgarve angekommen – in Lagos, einem der bekanntesten Orte dieser Region.
Schon bei unserer Ankunft merken wir: Hier fühlt sich alles nach Sommer ohne Ende an.
Wir suchen uns zuerst ein Bistro, das stark an einen Surfer-Hotspot erinnert. Die Einrichtung passt perfekt dazu – Holz, Boards, entspannte Atmosphäre. Das Essen ist lecker, die Gäste genau das Bild, das man hier erwartet: Hipster, Reisende, junge Frauen mit Notizbuch und durchdachtem Outfit, Menschen, die wirken, als hätten sie keinen Zeitdruck. Lagos lebt – und zwar locker.
Altstadt & Hafen – Lagos in Bewegung
Die Altstadt von Lagos ist geprägt von engen, weißen Gassen, unzähligen Restaurants und Geschäften mit gut kuratierten Kollektionen. Keine Ramschmeile, sondern eine Mischung aus Tourismus und Stil.
Eine breite Parkstraße verbindet die Innenstadt mit dem Yachthafen. Von dort sieht man in der Ferne schon einen endlosen Sandstrand, und ich entdecke erste Surfer im Wasser.
Wir fahren auf die andere Seite und landen an einem wunderschönen Strand. Ein Holzsteg führt direkt über die Dünen. Die Surfer sind diesmal zu weit draußen – dafür haben sich Kinder im Sand einen kleinen Fußballplatz gebaut. Barfuß, lachend, völlig frei. Diese Szenen bleiben hängen.
Die Naturwunder von Lagos – Ponta da Piedade
Dann geht es zum absoluten Highlight der Region: Ponta da Piedade.
Hier zeigt Lagos, warum es weltweit bekannt ist.
Die gold- bis rotfarbenen Sandsteinfelsen, die steil aus dem Meer ragen, bilden Grotten, Bögen und Felstürme. Das türkisfarbene Wasser, der helle Himmel und die scharfen Kanten der Klippen ergeben eine Kulisse, die fast unwirklich wirkt.
Ein angelegter Park mit Holzstegen ermöglicht es, die Küste entspannt zu erkunden. Hier verläuft auch wieder ein Abschnitt des Fischerpfads, der sich oberhalb der Steilküste entlangzieht und immer neue Perspektiven freigibt.
Das ist Algarve in Reinform:
rau, sonnig, offen – und gleichzeitig sehr präzise geformt von Wind und Wasser.
Bauernmarkt & Alltag in Lagos
Erst später erfahren wir, dass jeden Dienstag ein Bauernmarkt in einer Halle stattfindet.
Ein echter Treffpunkt – nicht nur für Einheimische, sondern auch für viele Deutsche, Niederländer und andere Reisende.
- Biobauern mit eigenen Ständen
- eingelegte Oliven – zwei Tüten für 3,50 €
- hausgemachtes Sauerkraut – 7 €
- nebenan eine weitere Halle mit Tischen, Kaffee, Kuchen ab 1,50 €
- manchmal sogar Live-Musik
Dieser Markt allein macht Lagos für uns schon besonders.
Unser Fazit zu Lagos
Lagos bietet unglaublich viel auf engem Raum:
- lebendige Altstadt
- lange Sandstrände
- perfekte Surfspots
- spektakuläre Küstenlandschaften
- Märkte, die echten Alltag zeigen
Für uns ist Lagos auch deshalb wichtig, weil es nicht weit von unserem Eco-Camp in Salema entfernt liegt – einem Ort, den wir nur empfehlen können. Von dort erreicht man einsame Strände und wunderschöne Abschnitte des Fischerpfads, fernab vom Trubel.
Kurzinfos zu Lagos
- Ort: Lagos
- Region: Algarve
- Einwohner: ca. 31.000
- Besonderheit: Historische Hafenstadt, ehemalige Seefahrermetropole
- Naturhighlight: Ponta da Piedade
- Aktivitäten: Surfen, Wandern (Fischerpfad), Küstentouren, Märkte
Google-Maps-Koordinaten
📍 Lagos Altstadt
37.1028, -8.6730
https://maps.app.goo.gl/4RrK8VnY1pDkF2YV9
📍 Ponta da Piedade (Felsformationen & Leuchtturm)
37.0861, -8.6690
https://maps.app.goo.gl/5wfrJw6nB8Q6VYxE7
📍 Praia Dona Ana (typischer Strand bei Lagos)
37.0893, -8.6665
https://maps.app.goo.gl/9d9N9Cj6H6n2yY4L6
📍 Yachthafen Lagos
37.1039, -8.6707
https://maps.app.goo.gl/V7s6cQKp5eQv7M2a9
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